Von der Isar an die Elbe: Ein Austausch der beruflichen Schulen über die digitalen Innovationen in der Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten
Die Berufliche Schule für medizinische Fachberufe auf der Elbinsel Wilhelmsburg (BS 15) in Hamburg und die städtische Berufsschule für Zahnmedizinische Fachangestellte in München tauschen Best Practices und bisherige Erfahrungswerte aus: Einblick in den Einsatz von Virtual Reality und Flipped Classroom in der Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten.
Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung und die damit einhergehenden erhöhten Anforderungen an das Fachpersonal, wollen auch die Berufsschulen den theoretischen Fachunterricht mit digitalen Medien ausbauen. Es wird verstärkt auf die Möglichkeiten der VR-Welt gesetzt. Die Stadt München investiert viel in die neuen Möglichkeiten: Die Berufsschule für Zahnmedizinische Fachangestellte hat seit mittlerweile einem Jahr zwei mit je 16 VR-Brillen ausgestatteten smarte IFU Räume. Die Räume sind zusätzlich mit je 16 Samsung Tablets zur Spiegelung der VR-Brillen und 15 I-Pads mit Tastatur und Stiften ausgestattet, um die Möglichkeiten der Lernsoftwares voll auszuschöpfen. Neben der noch in der Entwicklung steckenden Röntgensoftware (3 Module sind derzeit ausgerollt), arbeitet die Berufsschule seit einem Jahr mit einer Ersten Hilfe Anwendung, einer Anatomie-App und selbst gedrehten 360-Grad Videos zur Prüfungsvorbereitung oder dem Thema Kommunikation. Zudem bietet der Anbieter der VR-Brillen VIL (Virtuelles Interaktives Lernen) eine umfangreiche Mediathek mit zahlreichen Anwendungen.
Ausgelöst durch einen Artikel in der Zeitschrift „Zahnmedizin online“ über den Flipped Classroom-Ansatz für die ZFAs der Berufsschule in Hamburg kontaktierte die Berufsschule in München die Hamburger Kollegen. Um sich über die Möglichkeiten im VR-Bereich auszutauschen und damit die Qualität der Ausbildung bundesweit zu fördern, fand am 11. November 2025 ein erstes Treffen zwischen der Beruflichen Schule für medizinische Fachberufe auf der Elbinsel Wilhelmsburg und der städtischen Berufsschule für Zahnmedizinische Fachangestellte München statt.
Selbstgesteuertes Lernen in der Hansestadt
Ziel des Besuchs war der intensive Austausch über innovative Unterrichtskonzepte und den Einsatz von Virtual-Reality-Anwendungen. Die Fachkoordinatoren Olga Ebert und Laura Mutzl aus München erhielten in Hamburg tiefe Einblicke in das dort praktizierte Konzept des selbstgesteuerten Lernens – besser bekannt als „Flipped Classroom“.
Die BS 15 hat hierfür ein beeindruckendes Flipped-Classroom-Konzept entwickelt, welches aus einem zweiteiligen Moodle-Kurs besteht. Der grüne Kurs ermöglicht den Schülerinnen und Schülern die flexible und selbstständige Aneignung des Fachwissens mit vielfältigen Ressourcen. Dazu stehen „To-do-Listen“, Fachtexte in sechs verschiedenen Sprachen mit sprachlichen Vorentlastungen, verlinkte Glossare, Vorlesefunktionen, Lernvideos, Bilder/Grafiken, Übungsaufgaben, Checklisten und Tests und Selbsttests auf vier verschiedenen Niveaustufen zur Verfügung. Im rosa Kurs hingegen findet der gemeinsame, problemorientierte Austausch statt, der die Anwendung des Wissens und die Reflexion komplexer Praxissituationen (wie der Umgang mit Hygienestandards oder Stress) trainiert. Ein herausragendes Element ist die Integration von Virtual-Reality-Anwendungen, die in Zusammenarbeit mit der Bundeswehruniversität München entwickelt wurde. Im virtuellen Sterilisationsraums können standardisierten Abläufe der Instrumentenaufbereitung – von der Desinfektion bis zur Sterilisation – in einer sicheren Umgebung geübt und Fehler angstfrei aufgedeckt und im Nachgang besprochen werden. Die direkte Rückmeldung durch haptische oder visuelle Hinweise der VR-Technologie hilft den Schülerinnen und Schülern, Fehler sofort zu erkennen und zu lernen, wie diese vermieden werden können. Alle Kursteile sind gut miteinander verzahnt und fördern eine ganzheitliche Lernerfahrung, die ideal auf die hohen Anforderungen der beruflichen Praxis vorbereitet.
Die Berufsschule München arbeitet an einer virtuellen Röntgenanwendung
Die Berufsschule für ZFAs aus München stellte den aktuellen Entwicklungsstand einer VR-Röntgenanwendung vor. Diese wird derzeit zusammen mit der Firma Cat Production aus München entwickelt und steht voraussichtlich zu Beginn des Jahres 2026 vollumfänglich zur Verfügung.
Die Auszubildenden übernehmen mit erfolgreich bestandener Röntgenprüfung, durch die bei Röntgenbildern entstehende Röntgenstrahlen, viel Verantwortung über die Gesundheit des Patienten, des Praxisteams und sich selbst. Die korrekte Positionierung des Röntgenhalters bei Einzelzahnaufnahmen erfordert räumliches Vorstellungsvermögen und viel Übung. Die vorgestellte VR-Anwendung erlaubt es den Auszubildenden, Aufnahmen von verschiedenen Zähnen zu simulieren und die Auswirkungen von Fehlpositionierungen sofort zu erkennen, ohne sich oder die Patienten einer Strahlenbelastung auszusetzen. Zudem sind theoretische Inhalte mit Hilfe von Fragetools in die Anwendung eingearbeitet, um diese an den richtigen Stellen im Röntgenprozess zu wiederholen und einzuprägen.
Darüber hinaus berichteten die Lehrkräfte aus Bayern, wie sie weitere VR-Apps als ergänzendes Werkzeug in den Fachunterricht einbinden, um theoretische Inhalte anschaulicher und interaktiver zu gestalten.
Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe
Der Tag endete nicht nur mit einem intensiven Austausch unter den Lehrkräften, dem Besuch der entsprechenden Lern- und Fachpraxisräume an der BS 15, sondern auch der Anwendung der zwei VR-Anwendungen: die Lehrkräfte aus München arbeiteten sich mit Freude durch die Aufgaben im virtuellen Sterilisationsraum. Im Gegenzug probierten sich die Lehrkräfte aus Hamburg begeistert durch die Röntgenanwendung.
Resümee und Ausblick
Der Besuch in Hamburg war ein voller Erfolg. Die gemeinsame Zeit war geprägt von einem harmonisch-geselligen Klima, inspirierenden Einblicken und einem gelungenen Fachaustausch. Es zeigte sich deutlich, dass beide Schulen die Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten neu denken und aktiv die Potenziale der Digitalisierung nutzen.
Dieser Austausch ist ein wichtiger Schritt zur regionalen und überregionalen Kooperation. Die Berufsschule für Zahnmedizinische Fachangestellte München freut sich bereits auf den Gegenbesuch der Hamburger KollegInnen, der für Januar angesetzt ist. Solche Initiativen stellen sicher, dass die zahnärztlichen Praxen in Zukunft auf bestens ausgebildetes, kompetentes und digital affines Fachpersonal zählen können.
Laura Mutzl